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18.11.2018Volkstrauertag 2018
von
Ulrich Friedrich Koch
Kommentar zum Volkstrauertag 2018, veröffentlicht im Darmstädter Echo am 19. November 2018





Am Sonntag, dem 18. November 2018 fand am Mahnmal in der Jugenheimer Straße eine Veranstaltung der Gemeinde Bickenbach zum Gedenken an die Toten der Kriege und von Gewaltherrschaft statt.

Es gab Redebeiträge von
    Bürgermeister Markus Hennemann
    Pfarrerin Andrea Thiemann
    Oberst a.D. Rainer Büschel und
    Bürgermeister von St. Philbert Stéphan Beaugé, vorgetragen von Gabriel Tenaud.




Pfarrerin Andrea Thiemann:

'Das Ende aller Illusionen

Der Volkstrauertag ist schon lange kein Tag des Heldengedenkens mehr!

Ursprünglich, von 1922 an, wurde der gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs gedacht. Vor 100 Jahren ging dieser Krieg zu Ende.

Die Nationalsozialisten übernahmen den Volkstrauertag und legten ihn als staatlichen Feiertag fest. Er wurde 1934 in „Heldengedenktag“ umbenannt und sein Charakter alsdann vollständig verändert: Nicht mehr Totengedenken sollte im Mittelpunkt stehen, sondern Heldenverehrung!

Seit 1952 ist der Volkstrauertag ein staatlicher Gedenktag. Heute erinnern wir uns an die Kriegstoten aller Nationen und die Opfer von Gewaltherrschaft.

Bedauerlicherweise ist es bis heute nicht eindeutig gelungen, das Bewusstsein der Menschen auf die aktuelle Bedeutung dieses Gedenktages zu richten. Die Herausforderung für unsere Generation ist es, neue Ausdrucksformen zu finden, die nicht mehr das Gedenken an „deutsche Kriegshelden“ suggerieren, sondern die warnende Erinnerung an die „Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft“ überall auf der Welt in den Blick rücken!

In der Vorbereitung dieser Gedenkfeier, in deren Mittelpunkt in diesem Jahr das Ende des Ersten Weltkrieges steht, haben mich die Reservisten freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich ihm Rahmen ihrer Kriegsgräberfürsorge auch um die Gräber jüdischer Soldaten kümmern.

Der Beginn des Ersten Weltkrieges erschien vielen Juden in Deutschland als eine willkommene Gelegenheit ihre eindeutige deutsch-nationale Gesinnung unter Beweis zu stellen. Der Erste Weltkrieg wurde von den Juden somit als eine historische Chance wahrgenommen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts hatten sie in Mittel- und Westeuropa die juristische Gleichstellung erzielt. Doch als Gegenströmung dazu bildete sich der rassistische Antisemitismus in Deutschland. Die Juden glaubten, das ließe sich überwinden. Wenn sie ihr Leben dem Vaterland im Krieg opfern, so dachten sie, dann werden sie anerkannt als Teil des Volkes, als echte Bürger, und nicht mehr als Fremdkörper gesehen.

Über diese tragische Illusion hat Avi Primor, der ehemalige Botschafter Israels in Brüssel, Bonn und Berlin, 2013 einen Roman geschrieben. Das Buch heißt nach einem Zitat von HORAZ: „Süß und ehrenvoll“. Unausgesprochen hängt der dazugehörige Nachsatz in der Luft: „... ist es, für das Vaterland zu sterben“.

Primor erzählt in seinem Roman den Krieg aus der Perspektive zweier jüdischer Frontsoldaten, eines Deutschen und eines Franzosen. Eine absurde Szene spielt sich ab, als die beiden jüdischen Soldaten irgendwo nahe der Front aufeinander treffen. In Angst und Not erkennen sie sich am gleichen hebräischen Stoßgebet „Schma Israel“ – „Höre Israel“. „Warum sollen wir aufeinander schießen?“

Nach gegenseitigen patriotischen Beschimpfungen fallen am Ende zwei Schüsse und die beiden Kontrahenten sind tot!

Etwa hunderttausend jüdische Soldaten kämpften in der deutschen Armee im Ersten Weltkrieg. 12.000 sind gefallen und tausende wurden schwer verwundet. - Als die Juden später zu Volksfeinden erklärt wurden, hat sich keiner daran erinnert. Im Gegenteil, die Nationalsozialisten taten alles, um die Erinnerung an sie auszulöschen.

Der Verein Jüdischer Frontsoldaten des Ersten Weltkrieges, große deutsche Patrioten, hat sich vergeblich bemüht, irgendeine Verständigung mit Nazi-Deutschland zu finden - viele der ehemaligen Frontsoldaten, die nicht geflohen sind, wurden in Konzentrationslagern umgebracht.
(Nachtrag vom 20.11.18: So auch Benno Wolf zusammen mit seiner Frau Settchen und seiner Tochter Rosel, deren Gedenkstein seit Mitte der 50er Jahre hier auf dem Platz steht!)

Im Oktober war ich das erste Mal in den KZ-Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau in Polen. Dort gibt es keine Gräber im uns bekannten Sinne.
Dort gibt es morastige Wasserlöcher, in die die Asche von Millionen vergaster und dann verbrannter Menschen „unauffällig entsorgt“ wurde. Auch jüdische Frontsoldaten waren dabei – ausgezeichnet mit dem Eisernen Verdienstkreuz!

Das Ende aller Illusionen!'



Friedensgebet der Konfirmanden





Alle Redebeiträge sind nachzulesen auf der Homepage der Gemeinde Bickenbach Volkstrauertag 2018


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